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Erfahren Sie, wie Sie Ihre Negative scannen, um beeindruckende digitale Bilder zu erhalten

Negative scannen

Negative scannen

Die analoge Fotografie existiert weit länger als ihr Name, denn der Begriff der „analogen“ Fotografie wurde erst geprägt, als die digitale Fotografie Anfang des 21. Jahrhunderts aufkam und eine begriffliche Unterscheidung notwendig machte. Bis dahin sprach man nur von Fotografie und es war klar, dass die „analoge“ Fotografie gemeint war, denn etwas anderes gab es noch nicht. In den Hochzeiten der analogen Fotografie standen den Fotografen die Filmtypen Dia, Negativ und Kodachrome zur Verfügung. Heute, wo das Interesse der analogen Fotografie wieder zunimmt, werden Dias weniger als früher verwendet und Kodachrome gibt es gar nicht mehr. Negative sind heute deutlich beliebter als Diafilm, der vor allem wegen seiner Entwicklungs-Geschwindigkeit weit verbreitet war. Dieser Artikel widmet sich ganz dem Negativ. Nach einigen grundlegenden Informationen zum Negativfilm wird das Scannen von Negativen im Fokus stehen. Im Anschluss daran wird der Fotograf Sebastian Schlüter anhand eines Beispiels zeigen, wie er seinen ganz eigenen Negativ-Look erzeugt.

Aufbau eines Negativfilms

Negativfilm ist ein Fotomaterial, das nach der Entwicklung ein Bild in umgekehrten (komplementären) Farbtonwerten zeigt, und aus dem erst in einem zweiten Schritt ein Bild mit den eigentlichen Farbwerten erstellt wird. Man spricht hier von einem negativen Bild, von dem ausgehend ein positives Bild erstellt wird. Negativfilm gibt es in unterschiedlichen Größen. Die häufigste Größe ist der 35mm-Kleinbildfilm in Filmpatronen, für den Mitte der 1930er Jahre auch die Bezeichnung „135“ eingeführt wurde. Der Film ist inklusive der Perforation an beiden Seiten insgesamt 35mm hoch und kann je nach Anzahl der Bilder (12, 24 oder 36) bis zu 1,6 m lang sein. Das Format von 24mm (Höhe) x 36mm (Breite) für ein Bild wird auch als Normalformat bezeichnet und ist bis in die Zeit der digitalen Fotografie erhalten geblieben; Bildsensoren von Digitalkameras mit einer Größe von 24 mm x 36 mm werden als Vollformatsensor bezeichnet. Weitere häufige Formate sind zwischen 4,5 x 6cm, 6 x 6cm und 6 x 7cm bis hin zu 6 x 9cm groß und werden unter dem Begriff Mittelformat zusammengefasst. Das Format 6 x 7cm wird wegen seiner guten Passung auf viele Papiertypen auch als Idealformat bezeichnet. Im Handel wird der Mittelformatfilm in der Regel mit der von Kodak geprägten Bezeichnung 120 geführt.

Negative gibt es auf Schwarz-Weiß-Film oder auf Farbfilm. Abgesehen davon, dass auch Schwarz-Weiß-Film mit einer Tonwertkorrektur in ein Positiv umgewandelt werden muss, unterscheidet er sich in einigen Punkten vom Farbfilm. Auf seine Besonderheiten gehen wir daher separat ein.

Wie eingangs erwähnt, ist Negativfilm derzeit unter Analog-Fotografen sehr beliebt. Kleinbildfilme gibt es von Herstellern wie Agfa, Fuji, Ilford, Kodak, Rollei, um nur einige zu nennen. Die Hersteller bieten Filme mit unterschiedlicher Belichtungsempfindlichkeit (ISO/ASA), Körnigkeit, Auflösungsvermögen und Orange-Maskierung an. Einige dieser Parameter sind nicht nur für das Fotografieren an sich, sondern auch für den späteren Scan wichtig und werden im Abschnitt „Scannen“ eingehender erklärt.

NegaFix-Dialog
Histogramm

Negative im digitalen Zeitalter der Fotografie

Negative sind heutzutage etwas Besonderes. Ältere Negative stehen unter anderem für die Vergangenheit, die wir uns gerne bewahren wollen und die wir ein Stück weit in unsere Welt zurückholen wollen. Wie fast nichts anderes verkörpern analoge Fotografie und Negative aktuell die Entscheidung für bewusstes Fotografieren, für Entschleunigung in unserem hektischen Alltag, für handwerkliche Arbeit mit einem Ergebnis, das man in den Händen halten kann.

Natürlich heißt das alles nicht, dass wir auf die Vorzüge der digitalen Welt verzichten müssen. Im Gegenteil: das Digitalisieren ist eine Möglichkeit für den erwähnten, notwendigen, zweiten Schritt. Dabei machen wir aus dem analogen und negativen Film ein digitales und positives Bild, das wir je nach Bedarf optimieren und archivieren, an die Familie und Freunde senden oder im Internet posten können. Was Sie beim Scannen von Negativen bzw. Filmstreifen beachten sollten, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Zwei Ansätze zum Scannen von Negativen

Es gibt Filmliebhaber, die die Charakteristik ihres Filmes beim Scannen erhalten wollen. Diese Analog-Fotografen haben ihren Film ganz bewusst wegen seiner speziellen Eigenschaften ausgewählt. Dazu gehört auch oder gerade die Färbung des Films, die für einen bestimmten Look im Bild sorgt. Wer sich zum Beispiel für den Kodak Portra 400 entscheidet, um den derzeit sehr beliebten Pastell-Look zu erzeugen, will diesen natürlich auch bei der Bildbearbeitung erhalten.

Ein anderer Ansatz ist es, ein Bild zu erzeugen, das die Charakteristik des Films nicht mehr oder nicht mehr so intensiv zeigt. In diesem Fall geht es nicht darum, einen speziellen Film-Look zu erzeugen oder zu erhalten, sondern darum, das Bild so zu scannen, dass das Motiv so nahe am Original wie möglich ist.

Beide Ansätze haben Ihren ganz eigenen Charme und keiner der beiden Ansätze ist besser oder schlechter als der andere. Sie sind absolut gleichberechtigt und werden durch verschiedene Einstellungen in SilverFast unterstützt. Welchem Ansatz Sie folgen wollen, liegt damit ganz in Ihrer Hand.

Lesen Sie im Folgenden mehr zu Tonwertumwandlung, Orangemaske und typischen Werkzeugen beim Bearbeiten von Negativen, um Ihrem Ansatz näher zu kommen.

Tonwertumwandlung

Die Tonwertumwandlung, also im Grunde das Umwandeln des Negativs in ein Positiv, ist der erste und ein ganz entscheidender Schritt beim Scannen von Negativen. Das Negativ wird umgekehrt, d.h. die Lichter werden zu Schatten und die Schatten werden zu Lichtern. Als Ergebnis bekommen wir dann ein positiv Bild, das unser Motiv zeigt.

In der Orange-Maskierung liegen die Farbinformationen zu den drei Farbkanälen und deren Gradation in komprimierter Form vor, was sich als praktisch für die Entwicklung in der Dunkelkammer erwiesen hat. Bei der Umwandlung müssen diese Informationen richtig dekomprimiert werden, wenn man ein farbneutrales Bild erhalten will. Wenn die Orange-Maskierung bei der Umwandlung nicht oder fehlerhaft berücksichtigt wird, erhält man ein farbstichiges Positiv, das durch die falschen Gradationswerte kontrastarm aussehen könnte oder Details in Lichtern und Schatten verliert. Die grundlegende Tonwertumwandlung lässt sich inzwischen in allen möglichen Programmen erledigen. Die korrekte Umrechnung der Orange-Maskierung hingegen ist etwas, das nur speziell dafür ausgelegte Werkzeuge beherrschen.

NegaFix ist ein solches Werkzeug. Der NegaFix-Dialog bietet eine Auswahl typischer Filmprofile, die das Scannen von Negativen enorm erleichtern. Diese Profile werden Film für Film ganz individuell für jeden Scanner erstellt, um eine ideale Ausgangslage für das weitere Bearbeiten des Bildes zu schaffen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine Farbstichentfernung auf den noch unverarbeiteten Negativdaten durchführen zu lassen, so dass ein möglicher Farbstich gar nicht erst ins Positiv umgewandelt wird. Neben speziellen Filmprofilen gibt es auch ein allgemeines Profil sowie ein Monochrom-Profil für die Tonwertumwandlung. Das allgemeine Profil kann genutzt werden, wenn kein spezifisches Profil für den verwendeten Film zur Verfügung steht.

Film-Entwicklung

Bei der Filmentwicklung durchläuft der Filmstreifen mehrere Entwicklungsbäder bevor der Entwicklungsprozess des Films durch ein Fixierbad abgeschlossen wird. Das Fixierbad stoppt die Filmentwicklung jedoch nicht komplett, sondern verlangsamt sie nur erheblich. In der Folge arbeitet die Chemie extrem verlangsamt weiter und das Negativ kann sich noch weiter verändern. Um die dadurch auftretenden Schwankungen kompensieren zu können, bietet SilverFast Ai Studio auch die Möglichkeit zur Anpassung der vorhandenen Profile und zur Erstellung eigener Profile.

Da die Chemie nach der Entwicklung wie beschrieben weiterarbeitet, hat das Wilhelm Imaging Research Institute verschiedene Filme sehr ausgiebig auf ihre Haltbarkeit untersucht. Schauen Sie doch gleich selbst einmal nach, wie gut der Film haltbar ist, den Sie verwenden: Wilhelm Research – Untersuchung zur Filmhaltbarkeit (Auszug aus: The Permanence and Care of Analog and Digital Color Photographs, By Henry Wilhelm, Carol Brower Wilhelm, Kabenla Armah, and Barbara C. Stahl, ©2011 and ©2013 Wilhelm Imaging Research, Inc. Grinnell, Iowa, U.S.A.)

Dichte

Negativfilm bietet aber noch weitere Vorteile im Gegensatz zu Positivfilm. Negative haben einen größeren Dynamikumfang als Diapositive, d.h. sie können Farbwerte feiner abstufen, während Dias in der Regel eine deutlich höhere Farbsättigung und eine steilere Gradationskurve aufweisen. Damit eignen sich viele Negativfilme gut für bestimmte Looks, denn ein hoher Dynamikumfang bedeutet auch, dass der Film sich teilweise mehrere Blenden über- und unterbelichten lässt. Der Dynamikumfang, den ein Film abbilden kann, ist damit sehr groß.

Ein gut belichteter Negativfilm kann eine extrem hohe Dichte aufweisen. Daher empfiehlt sich der Einsatz von Multi-Exposure. Durch den Einsatz von Multi-Exposure wird die Anzahl der Kontraststufen, die beim Scannen aufgenommen werden, deutlich erhöht. Dadurch stehen mehr Abstufungen zur Verfügung und ein Maximum des Dynamikumfangs, den ihr analoger Film umfasst, bleibt beim Scannen erhalten. Auch wenn das Ergebnis nicht immer sofort mit dem bloßen Auge auf dem Monitor sichtbar ist, hat SilverFast durch Multi-Exposure in vielen Fällen fast die doppelte Anzahl an feinen Tonwertabstufungen zur Verfügung – ein wichtiger Qualitätsfaktor, gerade wenn Sie Ihre Bilder weiter bearbeiten oder im Großformat drucken möchten.

NegaFix Gradations-Kurven

Erste Wahl: Negative

Negative haben heute einen hohen Stellenwert bei Liebhabern analoger Fotografie. Diapositive, die früher überall dort zum Einsatz kamen, wo Bilder schnell gebraucht wurden, sind heute weitaus weniger verbreitet. Für Bilder, die schnell verfügbar sein müssen, gibt es digitale Kameras. Wer analog fotografiert, hat in der Regel auch die Zeit, auf die Entwicklung zu warten und sich auf seine Bilder zu freuen. Und die sollen dann natürlich auch in bestmöglicher Qualität digitalisiert werden.

Belichtung

Während der Repro-Workflow zur Bildbearbeitung üblicherweise mit dem Setzen der Lichter und Schatten im Bild beginnt, wird bei Negativen zuerst die Belichtung justiert. Dazu gibt es im NegaFix-Dialog einen Belichtungsregler, mit dem eine Anpassung der Belichtung um bis zu drei Blenden je Richtung auf Grundlage des ausgewählten Filmprofils simuliert werden kann. Die Belichtung durch den Scanner selbst wird bei dieser Methode nicht verändert. Die Belichtung wird durch NegaFix so angepasst, dass die Lichter nicht ausbrennen und Details in den Schatten gut sichtbar sind.

Im Eingabe-Histogramm bleibt die Verteilung der Bilddaten unverändert. Im Ausgabe-Histogramm zeigt sich, wie sämtliche Bilddetails bei einer Verringerung der Belichtung stärker in die dunklen Töne und bei einer Erhöhung stärker in die hellen Töne verlagert werden. Dabei verteilen sich nach wie vor alle Daten zwischen den beiden Extremen dunkel (Wert 0) und hell (Wert 255) und an den Rändern wird nichts abgeschnitten. Alle Bilddetails bleiben dabei erhalten. Erst im Anschluss wird die Helligkeit mit dem Helligkeitsregler im Histogramm manuell oder mithilfe der automatischen Bildoptimierung festgelegt.

NegaFix-Histogramm

Farbstich entfernen

Farbstichige Negative sind keine Seltenheit. Sollte nach der Tonwertumkehrung noch ein Farbstich im Bild vorhanden sein, lässt sich dieser mit der Neutral-Pipette schnell und einfach entfernen. Ein Klick mit der Neutral-Pipette auf einen Punkt im Bild, der eigentlich neutral sein sollte, entfernt einen einfachen Farbstich. Neutral heißt, dass der Punkt gleiche Werte für R, G und B hat. Beton ist ein gutes Beispiel für einen neutralen Punkt. Wenn zum Beispiel der letzte Wert erhöht ist (Werte: 135/135/150) dann handelt es sich um einen Blaustich im Bild. Nach dem Anwenden der Pipette sind die drei Werte für RGB auf dem gleichen Niveau. Einen komplexen Farbstich kann mit bis zu vier Neutralpunkten in der Ai Studio beheben.

Defekte im Negativfilm entfernen

Staub und Kratzer sind bei Farbnegativen glücklicherweise deutlich leichter zu entfernen als bei Schwarz-Weiß-Film oder bei Kodachrome Bildern. Bei Farbnegativen funktioniert nämlich die Staub- und Kratzerentfernung iSRD auf Basis des Infrarot-Kanals, der bei vielen Scannern zusätzlich verbaut ist, ganz hervorragend. In den meisten Fällen reicht es daher, iSRD zu aktivieren.

Welche SilverFast Version eignet sich?

Wir empfehlen Ihnen, das Digitalisieren selbst vorzunehmen. Beim Dienstleister hat man selbst keinen Einfluss darauf, wie das Ergebnis ausfallen wird. Insbesondere wenn Sie einen bestimmten Look im Sinn haben, sollten Sie nach Möglichkeit selbst scannen, denn nur so können Sie auf alle Schritte des Prozesses Einfluss nehmen und Kontrast, Belichtung und Sättigung selbst nach Ihren Wünschen einstellen. Negative können Sie bereits mit der Basis-Version SilverFast SE scannen. Um von SilverFast Multi-Exposure zu profitieren, empfehlen wir Ihnen die SilverFast SE Plus Version. Mit der SilverFast Ai Studio kommen dann unter anderem etliche Funktionen zusätzlich für den NegaFix Dialog hinzu. Die optimale Lösung für die Archivierung ist die SilverFast Archive Suite, die mit ihrem Rohdatenkonzept die Bildbearbeitung vom Scanvorgang abkoppelt.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Scannen Ihrer Filmnegative!

Video: Scanning Color Negative Film with Silverfast AI Studio

Sebastian Schlüter: In this video tutorial I show you my color negative scanning workflow. It is a two part workflow using LaserSoft Imagings SilverFast 8.5 and Adobe Lightroom. The intention was to show you how you can get beautiful scans similar to Fuji Frontier lab scans with your consumer scanner at home. I use a Epson V700 and get very nice results.

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