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Scanner-Fotografie

Über meinen Schaffens-Prozess
von Marsha Tudor

Von dem Tag an, als jemand beim Fotokopieren eines Dokumentes zum ersten mal versehentlich seine Hand mitkopiert hat, war es unumgänglich, dass der ein oder andere damit beginnen würde, Fotokopierer und andere Geräte, die eigentlich für flache Dokumente konzipiert wurden, für Teile des Körpers und andere 3-dimensionale Objekte zu nutzen. Das Netz ist geradezu überflutet mit solchen Bildern, die wie Werke von Fünfjährigen wirken. Glücklicherweise gibt es neben den unmotivierten Körper-Bildern auch ernsthafte künstlerische Anstrengungen, die von dieser Technologie, die erst seit wenigen Jahren verfügbar ist, Gebrauch machen - eine spannende Sache.

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Das erste Bild wurde mit der Option "Hauttöne" gescant. Das verleiht dem Bild ein traditionelles fotografisches Aussehen, aber weicher. Yum!
Scanner sind viel feiner entwickelt als Fotokopierer, auch wenn die Idee dieselbe ist… eine ebene Oberfläche wird digitalisiert. Wie Fotografen genau wissen, ist diese ebene Oberfläche üblicherweise ein Dia oder Filmnegativ. Fotografen, die freiwillig oder gezwungenermaßen von der analogen in die digitale Welt wechseln, scannen ihre Bilder, um sie bearbeiten und vervielfältigen zu können. Mein persönlicher Hintergrund ist Kunst, nicht Fotografie. Also nähere ich mich der Materie ein klein wenig anders als Fotografen, die Scanner-Fotografie kennenlernen. Aber auch für einen eher freien, künstlerischen Ansatz ist ein wenig Technisches Wissen recht nützlich.

Scanner verfügen über ein viel höheres Auflösungsvermögen als Kameras, da sie ausdrücklich dafür gemacht sind, kleine Dias und Filmstreifen zu vergrößern. Dieser Umstand ermöglicht es ihnen, Bilder direkt und sehr scharf aufzunehmen, die dann ohne Detailverlust viel stärker vergrößert werden können als digitale Fotos. Es ist spannend, eine so erstaunliche Auflösung zur Verfügung zu haben, aber leider ist dafür kaum Tiefenschärfe vorhanden. Der Fokus ist genau über der Glasplatte fixiert und die Lichtquelle, die die Bilder beleuchtet, reicht auch nicht sehr weit über die Glasplatte hinaus. Objekte kurz über der Glasplatte werden also kaum ausgeleuchtet und nur sehr unscharf erkannt. Aber gerade diese Extreme machen die Spannung, Herausforderung und den halben Spass der Scanner-Fotografie aus. Wie bei vielen anderen digitalen Technologien, ist der Einstieg leicht, aber es erfordert viel Engagement, sie zu meistern. Ein Erfolg beim allerersten Scan motiviert hoffentlich, weiterzumachen und herauszufinden, was eine sich bewegende Lichtquelle alles erkennbar machen kann.
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Für dieses zweite Bild wurde die Einstellung "HDR" verwendet, die das Bild etwas mysteriöser erscheinen lässt und es ein völlig anderes Gefühl vermitteln lässt.
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Für das letzte Bild dieser Serie wurde das gleiche Pflanzenmaterial genommen. Durch Verwendung der Durchlichteinheit im Positiv-Modus mit "Standard"-Einstellungen entsteht dieser Eindruck von Lumineszenz.
Seit kurzem benutze ich einen Epson Perfection V750 mit einer nativen Auflösung von 6400 dpi, der mein altes Arbeitsgerät, den Epson 4990 ersetzt. Mit dem neuen Scanner habe ich auch begonnen, SilverFast zu nutzen. Ich sehe jetzt schon viele neue Möglichkeiten, die ich in den kommenden Monaten methodisch ausprobieren möchte. Auf dieser Seite werden meine erste Versuche gezeigt.

Mir ist klar, dass mir die SilverFast-Software eine bessere Kontrolle über die Bilderstellung und ein viel breiteres Ausdrucksvermögen erlauben wird. Im Moment nutze ich noch überwiegend die Grundeinstellungen, aber wenn ich mehr Kontrolle und Verständnis erlangt habe, werde ich sicher dankbar sein, durch die vielfältigen manuellen Anpassungsmöglichkeiten Raum zum Experimentieren zu haben. Ich freue mich schon richtig darauf.

Der nächste Schritt in meinem Workflow ist, die gescannten Bilder von Staubpartikeln zu befreien, die sich kaum vermeiden lassen, weil die Klappe beim Scannen meist geöffnet ist und der Scan eine gewisse Zeit benötigt. Kleine Mängel im Pflanzenmaterial lassen sich gleich mit beseitigen. Das ist ein zeitraubender Vorgang, aber die Ergebnisse sind es wirklich wert. Rechts ist eine Aufnahme eines Deckblattes der Drillingsblume. Im Detailbild ist der ein oder andere unschöne Makel zu erkennen.

Das bearbeitete Bild ist nun fertig aber nicht notwendigerweise interessant. Einige Bilder sind perfekt, genauso wie sie aus dem Scanner kommen, aber andere benötigen eine Photoshop-Nachbearbeitung. Ich habe mich bisher sehr auf pflanzliches Material konzentriert, spüre aber auch den Wunsch, meine Arbeiten zukünftig etwas abstrakter zu gestalten. Dieses Blatt fand ich texturell sehr interessant und so habe ich versucht, es in einer Art und Weise zu verwenden, die die Aderstruktur besonders in den Vordergrund stellt.

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Gnomons Moon

tudor06_small Gnomons Sun
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Auf den Bildern links habe ich ein mathematisches Konzept umgesetzt. Gnomone sind geometrische Figuren, die durch wiederholtes Zusammensetzen mit Figuren gleicher Form entstehen. Ein Rechteck zum Beispiel kann verdoppelt werden, dann können diese Rechtecke zusammen verdoppelt werden und so weiter.




pdf_25x25 Als PDF (englisch) finden Sie hier ein Tutorial von Marsha Tudor, das die Verwendung der verschiedenen SilverFast Bildautomatik-Presets in der künstlerischen Scanner-Fotografie erläutert: Basic Scanner Photography Using SilverFast Presets


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