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Der eingescante Garten

Scanografie von Christian Staebler


Als Absolvent der Kunsthochschule in Straßburg, bin ich freiberuflicher Grafiker und Illustrator seit 1991. So gilt mein Interesse der Scanografie auch nicht erst seit gestern. Ich verwende dieses neue Medium sowohl für meine privaten Arbeiten, wie auch für Auftragsarbeiten schon seit 1995. Das ist lange bevor ich die Webseite "www.Scannographie.org", die in diesem Bereich heute weltweit als Referenz gilt, erstellt habe.

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Ein Projekt, auf das ich mich in den letzten Jahren besonders konzentriert habe, ist es, eine Sammlung von Bildern der Flora und Fauna meines Gartens anzulegen. Die Bilder für diese Sammlung stelle ich aus verschiedenen wöchentlich angefertigten Scans zusammen, wobei ich auf jedem Bild zwischen 4 und 7 Pflanzen oder Tiere, die ich alle in der gleichen Zeit gefunden habe, arrangiere. Insgesamt habe ich so 53 Bilder erstellt, die zusammen eine Art "fantastischen", aber auch dokumentarischen Herbarium-Almanach bilden. Der Eindruck von "fremdartigen Landschaften" ergibt sich vor allem aus den technischen Besonderheiten des Scanners: fast keine Tiefenschärfe, einheitliche Beleuchtung ohne echte Lichtquelle, keine Perspektive, keine Schatten, aber unglaublich viele Details bei besonderer Bildschärfe.
Anhand eines dieser Bilder möchte ich hier meine Arbeitsweise vorstellen.

Das Beispielbild ist in der letzten Märzwoche entstanden. Es ist aus 5 einzelnen Scans komponiert: ein Goldfisch, eine Detailaufnahme der Schuppen des Fischs, ein Zweig Thymian, ein Zweig Sternmiere und ein Löwenzahn mit Samen. Zunächst wird jedes Element einzeln auf den Scanner gelegt, eingescant und auf der Festplatte gespeichert.
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Ich starte also mit SilverFast, das meine Scanner-Software seit 1999 ist, als ich meinen Scanner Quato Xfinity gekauft habe. Wie wohl jeder habe auch ich mir im Laufe der Jahre gewisse Arbeitsabläufe angewöhnt; wahrscheinlich nutze ich nur einen Bruchteil der verfügbaren Optionen. Marsha Tudor nutzt andere in ihrer Workflow-Beschreibung. Ich für meinen Teil schätze die schnell zu tätigenden Grundeinstellungen, die bewirken, dass der Scanner nur den erforderlichen Tonwertbereich berücksichtigt. Dazu benutze ich sehr oft nur drei Buttons wie folgt:

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- Mit dem ersten Button setze ich mit einem Klick alle Einstellungen zurück.

- Im zweiten Schritt beschränke ich vor dem Scannen im Histogramm den Tonwertbereich der Farben auf den Bereich der Vorlage, um in dunklen Bildbereichen wirklich tiefe Farben zu erhalten.

- Abschließend bearbeite ich rasch die Histogramm-Kurven und damit die Helligkeit des Bildes. Ich arbeite sehr instinktiv und passe die Einstellungen für jeden Scan neu an.

SilverFast erlaubt es mir auch, die spätere Dateigröße einzustellen. Dabei versuche ich stets eine Dateigröße zwischen 65 und 90 MB zu wählen, eine Größe, die eine Nutzung für den Offsetdruck bis zur Größe DIN A3 ermöglicht. Von Seiten des Scanners wäre eine noch viel höhere Auflösung möglich. Eine weitere wichtige Funktion von SilverFast ist das Speichern von Presets. Um eine wiederzuverwendende Arbeitsgrundlage zu haben, lassen sich Basiseinstellungen (Dateigröße, Kurven, Histogramme) mit Namen versehen und speichern. Später können diese erneut geladen und noch angepasst werden. Wie Marsha auf ihrer Seite erklärt, sind einige der Voreinstellungen und Automatiken gut gewählt und können unverändert verwendet werden.
Ich scanne meine Bilder immer mit einer Auflösung von 300 dpi. Das ist die ideale Auflösung für den Offsetdruck. Die mögliche Druckgröße hängt von diesem Parameter ab und wird im Programm in cm angezeigt. So sind später keine bösen Überraschungen zu befürchten.

Nun, wenn alle Scans erstellt wurden, beginnt die Arbeit mit Photoshop. Der erste Schritt ist, "Verunreinigungen" zu entfernen und die Bilder für die spätere Verwendung vorzubereiten. Ein Großteil dieser Arbeit besteht daraus, das Motiv auszuschneiden. Eine Arbeit, die sehr mühsam erscheint, die aber auch sehr interessant sein kann, weil dabei das Objekt wirklich sehr gründlich analysiert wird.
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Ich habe in meinem Archiv über 500 Scans, die mir sowohl für meine eigenen Werke wie auch für die Grafik-Layouts für meine Kunden als gute Basis dienen. Meine Arbeit besteht hier nun darinnen, aus den gescanten Elementen eine fiktive Landschaft zu kreieren. Der Fisch wird das Hauptthema geben, ein aquaristisches Thema, auch wenn die Pflanzen nicht aus dem Wasser stammen. Den Goldfisch habe ich auf dem Balkon gefunden. Unser Kater, der auch ein guter Jäger ist, hat ihn aus dem Gartenteich geangelt.

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Für diese Serie haben alle Bilder die gleiche Größe von 25x20cm. Daher habe ich zunächst den Hintergrund auf diese Größe zugeschnitten.

Auf diesem Hintergrund stelle ich nun die verschiedenen Elemente so zusammen, dass die Komposition für den Betrachter harmonisch wirkt. Dabei achte ich sehr auf die Goldene Regel, auf Farbharmonien und auf ein Gleichgewicht in der Anzahl der einzelnen Elemente.

Damit ich die Goldene Regel wirklich immer beachte, schaffe ich mir zunächst ein Gitter, das mir die 4 entsprechenden Kreuzungen anzeigt. In diesem Fall ist festzustellen, dass die Farbe Gold das linke Drittel beherrscht und dass das Auge des Fisches genau auf einem Kreuzungspunkt liegt (rechts unten).

Anschließend arbeite ich viel mit den Ebenen-Effekten, die Photoshop bereit stellt, wie zum Beispiel die Overlay-Funktion für den Löwenzahn. Für die Sternmiere habe ich einen Transparenz-Effekt genutzt, der gut zu der aquaristischen Stimmung des Bildes passt.

Objekte, die sehr sorgfältig ausgeschnitten wurden, wie der Thymian, können sogar Schatten enthalten, die dem Gesamtbild einen Eindruck von Tiefe verleihen.

Irgendwann sind alle Elemente angeordnet, sie tauchen alle auf eigenen Ebenen in der Photoshop-Palette auf.

Links unten ist nun das Endergebnis zu sehen. Weitere Bilder dieser Serie können Sie auf meiner Homepage in der Rubrik "Scannographie" betrachten.

Das Ergebnis ist weder ein Foto noch eine Illustration. Keine Perspektive, keine Tiefenschärfe, irreale Größenverhältnisse der einzelnen Elemente und überraschende Schärfe im gesamten Bild bieten dem Betrachter etwas völlig anderes als das, was das Auge sonst gewohnt ist.
Einige Scanografen spielen in dem Rahmen, in dem der Scanner es zulässt, auch mit Bewegung während der Aufnahme. Ein Scan dauert einige Sekunden. Bewegt man währenddessen das Objekt, ergeben sich sehr spezielle Effekte, fast abstrakte Bilder, die manchmal den Werken italienischer Futuristen Anfang des 20. Jahrhunderts ähneln.
Scanografie ist keine komplizierte Sache. Sie benötigen einen Computer und einen Scanner und dann heißt es: einfach ausprobieren. Um einen umfassenderen Überblick über das Thema zu erlangen, besuchen Sie auch die Webseite Scannography.org. Dort können Sie viele Talente entdecken, die jeweils sehr verschiedene Stile entwickelt haben.
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